Ich will jetzt mal meine Geschichte fortsetzen:
Ende 1989 hatte ich dann quasi meine bisherige Bestform erreicht und begann dann Anfang 1990 auch wieder regelmäßig mit einem Trainingspartner zusammen zu trainieren.
Wir nennen ihn mal "Jochem". Ja, mit m- kein Schreibfehler!
Sein Ziel war die Teilnahme an einer Meisterschaft im Laufe der nächsten 1-2 Jahre.
Ich hatte bis dahin noch nicht ernsthaft mit dem Gedanken an einer Meisterschaft teilzunehmen gespielt, aber im Laufe unseres gemeinsamen Trainings dachte ich mir dann: Wenn der das kann, versuchst Du das auch mal.
Jochem unterschied sich in 3 wesentlichen Punkten von meinem ersten Trainingspartner:
1. Er hatte keinerlei körperliche Handycaps
2. Er trainierte zwar auch sehr eifrig und regelmäßig, hatte aber eine andere "Arbeitseinstellung"
3. Er war der Erste, mir bekannte Bodybuilder mit einem neuzeitlichen "Supplementierungsprogramm".
4. Wirtschaftliche Situation Er verfügte über recht viel Geld, welches er gerne für seine Supps ausgab.
Zu Punkt 3:
In den 80iger Jahren bestand unsere pharmazeutische Supplementierung aus den damals verfügbaren oralen und injzierbaren Steroiden. Die Herkunft war eindeutig zu identifizieren: Wir hatten Medikamente von namhaften deutschen und schweizer Pharmaherstellern, die über dunkle Kanäle aus Apothekenbeständen auf den Schwarzmarkt gelangten.Natürlich in Originalverpackung mit Beipackzetteln und Chargennummer, sehr seriös, sehr vertraúenserweckend, mit deutlich niedergeschriebenen Warnhinweisen auf mögliche Nebenwirkungen und Langzeitschäden!Was uns allerdings wenig beeindruckt hat.Okay, wir hatten immer ein schlechtes Gewissen- nicht wegen irgendwelcher juristischer Bedenken, sondern unserer eigenen Gesundheit gegenüber, aber: "Et hätt noch immer joht jejange"
In den 80iger Jahren war der eiserne Vorhang noch dicht, so daß nichts aus dem Ostblock verfügbar war und die Globalisierung lag noch in den Anfangszügen, so daß auch Asien noch nicht im Geschäft war.Zudem gab es noch kein Internet, d.h. die Verteilunmg erfolgte nur über persönliche Kontakte, Beratung zu Dosierung und Einsatz gab es nur über Trainingspartner oder enge Bekannte.
D.H bevor man nicht ein gewisses Leistungsniveau hatte, hatte man gar keine Möglichkeit an solche Substanzen heranzukommen, weil man mit den entsprechenden Leuten garnicht in Kontakt kam- diese hätten einem Anfänger niemals Stoff besorgt oder Infos gegeben. Man mußte sich quasi erst mal natural hocharbeiten und eine Offerte "verdienen".
Das Ganze hatte natürlich gegenüber heute sowohl Vor- als auch Nachteile:
Die Vorteile waren:
Man konnte sich in der Regel absolut sicher sein, daß man wirksame und exakt dosierbare Medikamente hatte.Anfänger, die noch nicht des Stoffes "würdig" waren, kamen auch nicht dran, es kursierten keine phantstisch hohen Dosierungsempfehlungen und es kursierten keine Fälschungen.
Die Nachteile: Der Preis war exorbitant hoch, weil die Nachfrage das verfügbare Angebot weit überstieg.Die Beschaffung war schwierig. Daraus ergaben sich für uns in der Praxis Konsequenzen.
Unsere Dosierungen waren in aller Regel so niedrig, daß sie heute in den Foren als absolute Anfänger- oder Einsteigerkuren verkauft werden.
Nach Meinung vieler heutiger "Experten" haben wir in der Regel die wirksame Mindestdosis die meiste Zeit unterschritten.Woraus sich zwangsläufig ergab, daß vielleicht nicht alle damals Top Ergebnisse erzielt haben, aber fast alle blieben von den heute anscheinend üblichen Nebenwirkungen verschont.
Um nochmal klarzustellen: Wir waren nicht vernünftiger als die heute Aktiven, sondern wir hatten einfach aufgrund der Marktsituation nicht die Möglichkeit unvernünftig zu sein.
Mein neuer Trainingspartner hatte allerdings ein sehr modernes Programm, denn 1990 fiel der eiserne Vorhang und es kamen die ersten bunten Pillen aus Asien ( Die sogenannten Thais)und Ampullen aus dem Ostblock mit zweifelhafter Herkunft.
Das Ganze führte aber wohl auch im Laufe der Jahre zu einem deutlichen Preisrückgang.
Jochem setzte im Gegensatz zu Armin dann auf diverse Kombinationen von verschiedenen
Präparaten unter dem Motto: Viel hilft viel.
Zu Punkt 2:
Seine Trainingseinstellung unterschied sich von der von Armin recht deutlich, am besten kann man das Ganze an einem Beispiel erläutern:
Beispiel Rückentraining, Klimmzüge:
Armins Einstellung war ja bekannt- reichlich Klimmzüge, viele Wiederholungen mit mächtig Zusatzgewicht.
Jochems Einstellung war folgende: Zitat:"Wenn die Klimmzugstange DA ist( er zeigt auf die Klimmzugstange), dann gehen wir in DIESE Richtung ( Er zeigt in die entgegengesetzte Ecke, in der diverse Rudermaschinen ect. standen).Er hatte wahrscheinlich als einer der Ersten eine wahnsinnige Angst vor Übertraining.
Das bezog sich auf sein gesamtes Training mit Ausnahme der Brustmuskulatur, einzig da legte er genauso viel Energie rein, wie Armin.
Beide konnten über etliche Sätze Schrägbankdrücken mit erstaunlichen Gewichten absolvieren.